Tag der offenen Tür bei der LVZ

Im Zuge ihrer Panikmache Bürgeraufklärung bringt uns die LVZ heute die neuesten Zahlen zum Thema „Wohnungseinbruch“ (via dpa, auf eine kleine Anfrage von Rico Gebhardt (Die Linke) beim Innenministerium).

Wohnungseinbruch, das sieht übrigens in etwa so aus:
johnny

Erschreckend und bestürzend sind all diese Zahlen! Im Jahr 2010 sollen sich allein in den Städten Chemnitz, Dresden und Leipzig 1.851 Wohnungseinbrüche ereignet haben. Die Zahl habe sich von 2009 auf 2010 um 337 Fälle erhöht. Leider weiß man nicht, wieviele Wohnungseinbrüche insgesamt in Sachsen verübt wurden, aber wenn man dieser Polizeistatistik glauben darf, wonach (wenn man es schnell durchrechnet) 2006 rund 42% aller Wohnungseinbrüche nur in Chemnitz, Dresden und Leipzig vonstatten gingen, werden es landesweit dann doch ein paar mehr Einbrüche sein.

Aber das ist ja alles schnurz, denn 2010 wurde nur allein in Leipzig 1.411 Mal eine Wohnung aufgebrochen!

Sodom und Gomorrha!


Wer jetzt noch nicht von dem geschickten Zahlen- und Datenspiel verwirrt ist, den trifft es mit den Aufklärungsraten:

In Chemnitz wurden 2006 noch 39,2 Prozent aller gemeldeten Wohnungseinbrüche aufgeklärt, 2010 waren es nur noch 26 Prozent. In Dresden waren es 33,7 Prozent (2006: 40,7), in Leipzig nur 14,2 Prozent (28,0)“.

Allerdings haben wir ja gerade gelernt, dass 2006 nur halb so viele Einbrüche registriert wurden (933) als 2010 (1.851) – registriert, nicht begangen. Wen überrascht es da, dass sich die Aufklärungsraten halbieren, wenn sich die registrierten Fälle verdoppeln? Denn Registrierung und Aufklärung sind schließlich zwei paar Schuhe. Auch wenn die Polizei mit den absolut neuesten Mitteln der Kriminaltechnologie vorgeht, bei gleichem gekürztem Haushalt und weniger noch weniger Personal, muss man seine Kräfte einteilen und kann nicht jeden Hocker wieder aufspüren, wenn es gleichzeitig gilt, ein paar Jugendlichen das Bier wegzunehmen asiatische Drogenringe zu zerschlagen!

Kein Wunder also, dass die braven Leipziger Bürger verunsichert sind! Aufgebrochene Türen und leergeräumte Wohnungen wohin man schaut, Drogensüchtige fixen auf offener Straße und die Ordnungskräfte schauen derweil Fahrrädern beim Umfallen zu!

Daher nur kurz zur Beruhigung:
Laut dem Amt für Statistik und Wahlen (Statistischer Quartalsbericht IV/2010, S. 17) existierten in Leipzig 314.725 Wohnungen (Stand 31.12.2009, 2008 waren es 313.761 Wohnungen). Wenn sich die 2010 registrierten 1.411 Fälle von Wohnungseinbruch darauf beziehen sollten, dann wurde 2010 also in rund 0,45% aller Leipziger Wohnungen (registriert) eingebrochen (aber wer weiß schon, worauf sich die Zahlen der LVZ beziehen). Zudem verzeichnet man bei der absoluten Anzahl der aufgeklärten Fälle seit 2006 sogar einen leicht positiven Trend von 154 (2006), 175 (2007) und 195 (2009) auf 201 (2010) (Ausreißer ist 2008 mit 258 aufgeklärten Fällen). So schlecht kann die Leipziger Polizei dann doch nicht sein.

Im Gegensatz dazu besteht etwa in Dresden wohl ein leicht negativer Trend bei der Aufklärungstätigkeit der Polizei in Sachen Wohnungseinbruch. Denn wer ernsthaft glaubt, dass es in Chemnitz (131) und Dresden (309) insgesamt nur zu 440 Fällen von Wohnungseinbruch gekommen sei, der muss an Realitätsverlust leiden. Da registrierte Fälle nicht gleich begangene Fälle sind, dürften es schon noch ein paar mehr sein (Stichwort Dunkelfeld). Da sich Aufklärungsquoten aber nur auf registrierte (also angezeigte oder durch die Polizei selbst bemerkte) Fälle beziehen, steht man in der Landeshauptstadt natürlich besser da, wenn man einen Großteil der Einbrüche lieber gar nicht erst bemerkt und sich mit anderen Dingen beschäftigt.

Am Ende sieht es in Leipzig nur deshalb so bedrohlich aus, weil es die Deppen anständigen Jungs und Mädels vom Bürgerdienst LE gibt, die sowas bemerken, weil sie zuviel Zeit haben (zum Glück hat sich das bald gegessen).

Nachtrag: Mein Reden (l-iz)

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