Archiv für August 2011

Polizeiprosa für Zwischendurch (Teil 1)

Die Leipziger Polizei überrascht einmal mehr mit der literarischen Qualität ihrer Mitteilungen. Der Schönheit der Künste verpflichtet, lässt es sich prochaine-arrêt nicht nehmen, diese prosaischen Ergüsse kritisch-wohlwollend zu begleiten und auch in Zukunft ausgewählte Kleinode dem geneigten Leser darzubringen.

Heute also:
Gemeinsame Interessen

Dieses Brüderpaar verband offensichtlich ein gemeinsames Hobby, denn sie gestalteten ihre „Freizeit“ mit dem Züchten von Pflanzen und Sammeln von Kupfer. Jetzt fiel diese Art von Zeitvertreib Polizeibeamten auf und setzte dem Treiben zumindest vorläufig ein Ende.

Der extrem abrupte, avantgardistisch anmutende Einstieg ohne jegliche Exposition („Dieses Brüderpaar“) ist ganz klar eine Stärke der modernen Polizeiprosa. Freunde der Kleingärtnerei und Hobby-Numismatiker sollten übrigens vorsorglich bei ihrer örtlichen BlockwartPolizeistelle nachfragen, ob sie dazu berechtigt sind organisches Leben bzw. chemische Elemente in ihren Wohnungen zu besitzen.

Einer Zeugin fiel nämlich ein Blumentopf auf, der offensichtlich vom Fenster auf den Hof gefallen war. Nach näheren Betrachten stellte sie fest, dass es sich um eine Cannabispflanze handelte. Ein Blick nach oben verriet, dass es noch mehr Exemplare auf dem Fensterbrett gab.

Daraufhin wurde auch sie festgenommen, denn wer eine solche Pflanze erkennt, der hat sie auch schon geraucht, q.e.d. Die „Zeugin“ wurde dem nächstbesten Inquisitor übergeben. Mildernde Umstände könnte ihr jedoch die kognitive Spitzenleistung einbringen, dass alles, was unten aufgeschlagen ist, von oben gefallen sein muss. So bekifft kann die „Zeugin“ dann doch nicht gewesen sein…noch mal Glück gehabt! (und es heißt übrigens „Nach näherem Betrachten“)

Die hinzugezogenen Polizeibeamten durchsuchten daraufhin die Wohnung der Brüder und fanden neben den Pflanzen (sechs Cannabispflanzen) auch Betäubungsmittel-Utensilien und ein Fahrrad, welches zur Fahndung stand.

Nach einigem Widerstand konnte das Fahrrad überwältigt werden und befindet sich nun in U-Haft. Bemerkenswert ist im Übrigen der exzessive Gebrauch von Pleonasmen, der die Sprache der Polizeiprosa um so viel mehr bereichert.

Nach deren Sicherstellung verließen die Beamten das Grundstück, als ihnen plötzlich das diebische Brüderpaar (29; 33) mit einem vollgeladenen Handkarren entgegen kam. Darauf die Beute der letzten Tour: ca. 80 kg Kupfer.

Die überstürzte Flucht der Beamten beim Eintreffen der „diebischen Brüder“ hatte nichts damit zu tun, dass man in deren Abwesenheit den Kantriegel gezogen, ihre Wohnungstür aufgedrückt, sich unbefugt Zutritt verschafft und Zeug geklaut „sichergestellt“ hatte. Wirklich!

Gegen die beiden, der Polizei als Betäubungsmittelkonsumenten bekannten, Brüder wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Ermittelt wird nun nicht nur gegen unsinnige Kommata, sondern auch, ob die „diebischen Elstern Brüder“ einigen schon etwas beleibteren Kollegen beim nächsten Umzug unter die Arme greifen könnten, denn wer 80 Kilo Kupfer karren kann, der kann auch dem Bernd beim demnächst geplanten Umzug in die Leipziger Innenstadt helfen.

Auf der Flucht

Auch drei Wochen danach läuft die Fahndung nach der entlaufenen, leicht androgynen Kellnerin (oder war es doch ein Kerl? „Trug jedenfalls keinen Bart“, so Halter Restaurantbesitzer Mehmet S.) noch immer auf Hochtouren.
Zuletzt trug er/sie(?) eine Schürze und ein Tablett (mit BIER drauf!!!).

(Zum Vergrößern anklicken)

(Beim Südplatz)

NEIN! DOCH! OHHH!

In einer ihrer berüchtigten Nacht- und Nebelaktionen stellten die Leipziger Verkehrsbetriebe jetzt heimtückisch die bei Kind und Kegel, Groß und Klein, Alt und Jung, Schön und Hässlich und noch vielen anderen beliebte Tram-Durchsagen-Werbung für „prochaine arrêt“ ein. In einer sichtbar vorgeschobenen und kaum mehr als zusammengestammelten Erklärung heißt es dazu aus den LVB-HQ: „Einige Fahrgäste haben den bisherigen Service als zu umfangreich empfunden. Daher sind die Haltstelleninformationen auf dem Stadtring und an den Endstellen ab sofort auch nicht mehr in französischer Sprache zu hören. Wir beschränken uns künftig auf die hier in Leipzig gebräuchlichsten Sprachen Deutsch und Englisch.“
In gewohnter Eintracht haben Konzernleitung und Betriebsrat von prochaine arrêt jetzt eine Protestnote „nach ganz oben“ abgeschickt. „Wir sind bereit den LVB-Biber zu entführen und das adipöse Viech für mehrere Wochen auf Zwangsdiät zu setzen, wenn die Frau bei den Durchsagen nicht weiterhin auch französisch spricht.“ heißt es in dem 48-seitigen Schreiben unter anderem. Der Mehrzahl der einheimischen Fahrgäste sei dieses „akzentfreie Oberstufen-Französisch („Ohgüsdüspladseh“) doch ohnehin verständlicher, als die Ankündigungen im sog. ‚Hochdeutsch‘, was hier in Leipzig doch eh kein Schwein richtig beherrscht.“
SympathisantInnen werden aufgeffordert in den Straßenbahnen vorerst selbst laut „prochaine arrêt!“ zu brüllen, wenn die Durchsage gerade zu „nächster Halt“ und „next stop“ ansetzen will. „Vor dem Honorarkonsulat der Republik Frankreich können Blumen und Kerzen abgelegt werden, von Kranzspenden bitten wir abzusehen!“

(LVZ)

Hundstage

Das LVZ-Highlight des Sommers steht an: Am kommenden Wochende beginnt die „16. Internationale & Nationale Ausstellung für Tierquälerei“ – wir berichteten vorab.

Schwerpunkte sind dabei unter anderem:

Massen- und Nutztierhaltung: „Der Alpaka- und Lamazuchtverband informiert […] über die zutraulichen Neuzeitkamele.“

Hokuspokus: „So bietet Tierpsychologin Barbara Teichmann beispielsweise eine kostenfreie Bachblüten-Analyse an.“

Tierprostitution: „‚Es muss sehr gut überlegt werden, welches Tier ich mir anlache und mit nach Hause nehme‘, begründete TMS-Geschäftsführerin und Veranstalterin Anne Frank.“

Der absolute Obermegahammer ist jedoch der Stand des durch Dr. Frank N. Stein vertretenen Dr. Moreau Institute for Anthropomorphic Bioengineering der Universität von Transnistrien und dem sogenannten „Projekt Tierversuche 2.0 (Arbeitstitel)“. Demnach ist es erstmals gelungen, aus den Stammzellen diverser Hunderassen passgenaue Halter und Herrchen für Schnuffi & Co im Reagenzglas zu züchten. Man hofft so die prekäre Situation in den Tierheimen Deutschlands (aber auch international) abmildern zu können.

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