Archiv für September 2011

Polizeiprosa für Zwischendurch (Teil 2)

Die heutige Kostprobe kann vielleicht mit der literarischen Qualität vom letzten Mal nicht mithalten, geht dafür aber weitaus deutlicher in Richtung Gesellschaftsstudie.

Abgelenkt

… war für einige Minuten ein Taxifahrer (65), der einem Mann südländischen Aussehens den Kofferraum zeigte, da dieser angeblich mit seiner Familie samt großem Gepäck zum Flughafen gebracht werden wollte.

Kennt man ja, diese Südländer, das kommt halt von dem ganzen Bunga Bunga!

Währenddessen ließ der 65-Jährige die Fahrertür vom Touran offen stehen. Dies nutzte ein anderer Südländer, vermutlich der Komplize,

vermutlich (weil Südländer!)

aus und stahl aus der Ablage das Portmonee mit einer dreistelligen Summe. Danach verschwanden beide in Richtung Lumumbastraße.

Man kann jetzt schon Wetten darauf abschließen, welches dieser geordnet insolventen Länder „da unten“ aufgrund dieser Finanzspritze bald wieder stabilisiert sein wird.

Etwa eine halbe Stunde später rief eine Anwohnerin (72) aus der Karl-Rothe-Straße an und teilte ihre Beobachtung mit. Sie hatte gesehen, wie ein Ausländer vor ihrem Wohnhaus eine Geldbörse in die Mülltonne geworfen hatte. Da ihr dies „spanisch“ vorkam, ging sie zum Müllcontainer, nahm das Portmonee an sich und informierte sofort die Polizei.

Heißt das, die gute Frau ist in den „Müllcontainer“ gestiegen? Macht sie das öfter? Wobei es ja einen Satz zuvor noch eine Mülltonne war…Fragen über Fragen, auch gerne auf „spanisch“.

Im Zuge dieses ungeheuren Verbrechens warnt die Polizei übrigens noch einmal ausdrücklich:

Nehmen Sie keine Süßigkeiten von Fremden an. Gehen Sie nicht bei Rot über die Straße. Sollten Ihnen Personen begegnen, die anders aussehen als Sie („südländisch“) oder eine ausländische Sprache sprechen (englisch, spanisch, hochdeutsch) denunzieren Sie diese bitte umgehend bei der Polizei. Essen Sie nicht beim Griechen oder beim Türken und erst recht nicht beim Italiener. Essen Sie am besten überhaupt gar nichts, Sie sind eh schon zu fett.

Witzigerweise ist die LVZ bei ihrer Wortwahl wenigstens etwas (Anführungszeichen!) vorsichtiger als die Polizei selbst:

Der Taxifahrer hat die beiden Personen der Polizei beschrieben. Der Mann, der nach dem Kofferraum fragte, ist demnach etwa 30 Jahre alt, schlank und 1,70 bis 1,75 Meter groß. Er habe kurze, schwarze Haare und sehe „südländisch“ aus. Zur Tatzeit habe er unter anderem eine beigefarbene Jacke getragen. Der Dieb habe ebenfalls ein „südländisches“ Aussehen mit kurzen, schwarzen Haaren. Er habe eine blau-graue Jacke oder einen Pullover derselben Farbe getragen.

Go Traktor Go!

Aus irgendeinem Grund will ich eigentlich gar nicht wissen, was damit gemeint sein soll.

(Zum Vergrößern anklicken)

Karli, vorm „Biomare“

Video kills the…

Heute mal was mit Kultur: Die Ober-Boulevard-Wachtmeisterin der LVZ schaut sich gerne Opern im Kino an.

Der Grund: Eine E-Mail, die bei Frau D. „ins Haus flatterte“

“Cinestar Leipzig präsentiert die Aufzeichnung des exklusiven Konzerts in Maastricht mit Walzerkönig André Rieu und seinem Johann Strauss Orchester. Karten sind für nur 18 € erhältlich.”

Aufgrund dessen ist Frau D. schwer besorgt, ob das nicht zum Absterben der lokalen und überregionalen Kulturlandschaft führen werde. Die Nachteile liegen klar auf der Hand:

Kein Regisseur quält an der Met sein Publikum mit Selbstfindungsprozessen [echtma, der verdammte Konwitschny, d. Red.], jeder fühlt sich einfach nur der Musik und dem Gesang verpflichtet, so wie sie in den Noten stehen. Dank der zwölf Kameras, die in New York jeden Winkel erreichen, kann man von Leipzig aus direkt in den Orchestergraben schauen und den Musikern in die Noten gucken. […] Als Zuschauer ist man derart dicht dran an den Solisten – oft Weltstars wie Anna Netrebko, Placido Domingo, Renée Fleming, die zauberhafte Elina Garanca oder der großartige Dresdner René Pape –, dass man ihnen bis auf die Plomben schauen kann.

BIS AUF DIE PLOMBEN! WIDERLICH! BAH! Nachdem sich Frau D. hier schon mächtig ausgekotzt hat, schiebt sie noch mal nach, um einem die Sache richtig madig zu machen:

Aber das ist ja nicht alles. Die Carmen-Inszenierung der Leipziger Oper konnte ich nun also mit der aus New York vergleichen. Und natürlich habe ich mir dazu auch noch „Carmen in 3D” aus dem Royal Opera House in London angeschaut. Im Kino!

Doch bei diesen enthusiastisch vorgetragenen Negativbeispielen belässt es Frau D. nicht, denn Leipzig hat längst zum Gegenschlag ausgeholt:

Leipziger Zuschauer wurden live zugeschaltet zum Sonisphere Festival in Sofia (Bulgarien), wo die „Big Four” des Heavy Metal auf der Bühne standen – die Bands Metallica, Slayer, Megadeth und Anthrax.

Das vermieste natürlich massiv die Stimmung, wer will schon Leipziger Fressen begutachten, wenn er eigentlich zu alten Männern das schüttere Haupthaar die Mähne kreisen lassen will (hier nebenbei ein kleines Gesellschaftsspiel für nette Abende: Nennen Sie jeweils drei Titel der genannten Bands und versuchen sie dann diese per Gestik und Mimik nachzustellen – na? gar nicht so einfach, wa?).
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Rückblick: Drogenticker August 2010

Der August war heiß, heiß, HEISS (naja, ab und zu zumindest) und heiß gelaufen ist zeitweise auch unser hauseigener Drogenticker. Schlag auf Schlag machte die Leipziger Polizei der örtlichen Drogenszene zu schaffen, nahm Dealer noch und nöcher fest, hob Opiumhöhle um Asiamarkt aus und leistete auch sonst ganze Arbeit.

Zeit also für einen Rückblick auf alle die Mitteilungen und Ticker der Polizei (mit freundlicher Unterstützung der Law-and-Order Freunde der LVZ), Zeit für den Media Drug Report August 2010. (Hier nur eine Auswahl, im Drogenticker sind alle Nachrichten dokumentiert)

Heiß ging es gleich am Ersten des Monats los, da ließen die Konsumenten dieser Stadt ihren animalischen Bedürfnissen freien Lauf und besorgten sich zusätzlich zu ihrem Drogengeld gleich mal ein Eis:

Ein drogensüchtiges Pärchen hebelte gestern ein Bäckereigeschäft in der Oststraße auf. Dabei entwendeten der 26-jährige Mann und die 21-jährige Frau eine geringe Menge Bargeld sowie diverse Lebensmittel. Im Anschluss daran machten sich beide in aller Ruhe einen Eisbecher und schlenderten vom Tatort.

Die „Eisfreunde“ wurden jedoch gestellt und mussten Rede und Antwort stehen:

Auf die Frage der Beamten, wo man denn um diese Zeit Eis kaufen kann, fiel dem Pärchen keine besonders schlagfertige Antwort ein.

Dieses fiese, unkooperative Verhalten schlug sich natürlich gleich in einer ordentlichen Tracht Prügel einem schärferen Strafmaß nieder, denn auch Beamte sind nur Menschen und wollten halt auch mal was schlecken.

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