Rückblick: Drogenticker August 2010

Der August war heiß, heiß, HEISS (naja, ab und zu zumindest) und heiß gelaufen ist zeitweise auch unser hauseigener Drogenticker. Schlag auf Schlag machte die Leipziger Polizei der örtlichen Drogenszene zu schaffen, nahm Dealer noch und nöcher fest, hob Opiumhöhle um Asiamarkt aus und leistete auch sonst ganze Arbeit.

Zeit also für einen Rückblick auf alle die Mitteilungen und Ticker der Polizei (mit freundlicher Unterstützung der Law-and-Order Freunde der LVZ), Zeit für den Media Drug Report August 2010. (Hier nur eine Auswahl, im Drogenticker sind alle Nachrichten dokumentiert)

Heiß ging es gleich am Ersten des Monats los, da ließen die Konsumenten dieser Stadt ihren animalischen Bedürfnissen freien Lauf und besorgten sich zusätzlich zu ihrem Drogengeld gleich mal ein Eis:

Ein drogensüchtiges Pärchen hebelte gestern ein Bäckereigeschäft in der Oststraße auf. Dabei entwendeten der 26-jährige Mann und die 21-jährige Frau eine geringe Menge Bargeld sowie diverse Lebensmittel. Im Anschluss daran machten sich beide in aller Ruhe einen Eisbecher und schlenderten vom Tatort.

Die „Eisfreunde“ wurden jedoch gestellt und mussten Rede und Antwort stehen:

Auf die Frage der Beamten, wo man denn um diese Zeit Eis kaufen kann, fiel dem Pärchen keine besonders schlagfertige Antwort ein.

Dieses fiese, unkooperative Verhalten schlug sich natürlich gleich in einer ordentlichen Tracht Prügel einem schärferen Strafmaß nieder, denn auch Beamte sind nur Menschen und wollten halt auch mal was schlecken.

Am Tag darauf der nächste Großeinsatz, man lieferte sich eine wilde Verfolgungsfahrt (Schritttempo) mit einem dreisten Dealer:

Nachdem der 21-Jährige im Gebüsch eines Parks in der Ludwig-Beck-Straße gestellt worden war, gab er an, aus Zeitdruck Reißaus genommen zu haben. Doch das war wohl nicht einmal die halbe Wahrheit. Es lag wahrscheinlich eher an den diversen Arten von Betäubungsmitteln, die er mit sich führte.

Der Flüchtende war zu schwer beladen und konnte deshalb nicht einmal der Polizei entwischen, Pech gehabt.

Richtig „abgefahren“ wurde es aber, als man einen parkenden Wagen kontrollierte:

Die beiden Insassen konnten keinen Führerschein vorweisen, das Fahrzeug war stillgelegt, die am Fahrzeug angebrachten Kennzeichen waren gestohlen. Aber das war noch lange nicht alles: Im Fahrzeug fanden die Beamten ein Klappmesser, eine Pistole, Betäubungsmittel, weitere gestohlene Kennzeichen und illegale Böller.

Oder wie es die LVZ kurz zusammenfasst: „Polizei erwischt zwei Bewaffnete mit Drogen in Auto mit gestohlenen Kennzeichen“.
Nachdem sich herausstellte, dass es sich bei den „zwei Bewaffneten mit Drogen in Auto mit gestohlenen Kennzeichen“ um „Hallenser“ handelte, wurden die Strafanzeigen wieder zurückgenommen, denn „so gemein sei man dann ja nun doch nicht, die haben’s ja so schon schwer genug“, wie ein Pressesprecher erklärte.

Einen Tag Ruhe gönnten uns die Bekifften und Verkoksten dieser Stadt, als am 04. August dann folgende Meldung hereinrauschte:

Durch Zeugen wurde vergangene Nacht der Einbruch in ein Schuhgeschäft in der Karl-Liebknecht-Straße beobachtet. Die eintreffenden Polizisten konnten im gewaltsam geöffneten und durchsuchten Geschäft jedoch den Einbrecher nicht mehr antreffen. Aufgrund der Täterbeschreibung konnten die Beamten einen stark verschwitzen Mann ganz in der Nähe stellen, auf seiner schweißtreibenden Flucht hatte er sich seiner Jacke und eines Schraubendrehers entledigt.

Diesen Schwerstverbrecher ließen sich die Beamten nicht mehr durch die Finger gleiten. Die Polizeigewerkschaft fordert bei solchen Fällen in Zukunft den Einsatz von ABC-Räumkommandos. Da die Jacke leider schon stark vor sich hin miefte und auch mehrfaches Waschen nichts mehr half, musste sie schweren Herzens entsorgt werden, der Schraubendreher konnte zumindest auf Ebay vertickt werden.

Vier Tage später ging es dann wieder mächtig zur Sache, diesmal stand eine wirkliche Verfolgungsjagd an, die die Amateure von Cobra 11 zum Weinen gebracht hätte:

Ein polizeibekanntes Pärchen lieferte sich in den Morgenstunden des Montag eine Verfolgungsjagd mit mehreren Funkstreifenwagen. Der 26-jährige Mann und die 21-jährige Frau, beide Konsumenten harter Betäubungsmittel, waren in einem Opel Corsa unterwegs. […] Auf der Georg-Schumann-Straße sollten sie einer Verkehrskontrolle unterzogen werden. Daraufhin flüchteten sie durch mehrere Straßen vor der Polizei, teilweise mit halsbrecherischen Fahrmanövern: Mehrfach waren sie auf der Gegenfahrbahn unterwegs. […] In der Berliner Straße versuchte dann der 26-Jährige, das Gleisbett der Straßenbahn unter der Berliner Brücke zu durchfahren. Vier geplatzte Reifen beendeten daraufhin die Flucht.

Leider blieben auch die Beamten mit ihrem Wagen im Gleisbett stecken, versuchten das ganze dann aber doch noch als coolen Überschlag zu tarnen. Nachdem man merkte, dass das scheiße aussah (und der Heinz sich beim anheben des Wagens mal wieder was an der Bandscheibe getan hatte) und die Autos auch nicht wie sonst üblich explodierten, ging man enttäuscht nach Hause. Die liegengebliebenen Junkies wurden ihrem Schicksal überlassen.

Der 10. August sah denn endlich das Highlight des gesamten Monats: die dritte Leipziger Komplexkontrolle, mittlerweile ja schon längst zur Kultveranstaltung avanciert (auch wir berichteten). „Hundertschaften der Polizei“ waren im Einsatz um Leipzigs Drogensümpfe trocken zu legen.

„Herausragend dabei insbesondere 31 Ermittlungsverfahren gegen bekannte Täter wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Des Weiteren wurden Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Aufenthaltsgesetz (1x), Trunkenheit im Straßenverkehr (1x), Urkundenfälschung (Umweltplakette (3x) und Verstoß gegen das Waffengesetz (6x) eingeleitet.

Außerdem Verstöße gegen das zu Bett gehen (3x), Hausaufgaben machen (5x), Aufessen (2x) und die Zähne putzen (4,5x – ein Täter hatte zumindest ein Hustenbonbon gelutscht, stank aber trotzdem ausm Maul).

„Bei offensiv durchgeführten Schwerpunktkontrollen rund um die Eisenbahnstraße, den Köhlerplatz und Herderplatz hat die Polizei Betäubungsmittelkonsumenten, die Drogen bei sich hatten, angetroffen und kontrolliert.“

Falls Sie nun, liebe Leser, dadurch ihren lokalen Anbieter verloren haben, keine Sorge, die Polizei hat diese Lücke sofort geschlossen und wird die Nachfrage auch weiterhin befriedigen. Zu erhalten sind in allen örtlichen Polizeidienststellen: „überwiegend […] Cannabis, Marihuana, und Flunitrazepamtabletten [in] szenetypisch verpackte[n] Tütchen“, denn Ziel der Polizei ist es: „Gezielt […] Straßen und Plätze im Rauschgiftmilieu“ aufzusuchen „um hier mit konzentrierten Aktionen die Anbieterszene zu verdrängen.

Außerdem wurde:

Bei einer 31-jährigen Person […] im Bereich Leipzig-Eutritzsch eine Wohnungsdurchsuchung durchgeführt. Hier wurde eine Indoor-Plantage mit 13 Pflanzen festgestellt.

Und auch:

Bei einem Fahrzeugführer bemerkten die Beamten einen süßlichen Geruch. Auf Nachfrage gab der Fahrzeughalter an, dass er vor Fahrantritt Cannabis zu sich genommen hatte. Bei der anschließenden Durchsuchung konnte eine ca. fünf cm große schwarze Dose mit betäubungsmittelähnlichen Substanzen festgestellt werden.

Ohne Zweifel harte Schläge gegen die Leipziger Dealer, die jetzt zusehen müssen, wie sie die 13 Pflanzen (4 Orchideen, 3 Geranien, 5 Kakteen und eine Plastikattrappe ) und die eine Dose ersetzt bekommen, das wird nicht einfach, der Zusammenbruch der Drogenszene wird erwartet, so Polizeisprecher N. Ost-Radamus.
Alles in allem Erfolge, wie sie sonst keine andere Stadt im Kampf gegen Drogenkriminalität vorweisen könnte. Im September ist übrigens eine großflächige Komplexkontrolle in Afghanistan geplant (Codename: „Oberst Klein“), bei dem man direkt die Wurzel allen Übels beseitigen will.

Noch am selben Tag erfolgte der nächste Wirkungstreffer, die Polizei stellte einen Großdealer und fand in seiner Wohnung:

circa 49 Gramm Marihuana sowie circa sechs Gramm Kokain“, schon zuvor hatten sie bei ihm „circa 24 Gramm Marihuana, eine geringe Menge Crystal und ein gestohlenes Mobiltelefon“ sichergestellt.

Bedenklich stimmt die Beamten jedoch die anscheinend neue Fähigkeit der örtlichen Szene sich wahlweise in Schmetterlinge verwandeln zu können: „32-Jähriger wird bei Polizeikontrolle nervös und entpuppt sich als Drogendealer“. So werde die Fahndung natürlich erschwert, erklärte ein Polizeisprecher. Notfalls müssten die Beamten mit Netzen ausgestattet werden.

Am 15. August schnappte die Polizei dann einen „Drogendealer bei Wohnungsdurchsuchung in Liebertwolkwitz

Er flog auf, weil ein Bekannter ihn bei der Polizei verpfiffen hatte: Bei einer Wohnungsdurchsuchung in Liebertwolkwitz hat die Leipziger Kripo einen Drogendealer gefasst. Mehrere Tüten Marihuana, 400 Gramm Haschischplatten und Kundenlisten seien bei dem 26-Jährigen gefunden worden, teilte die Polizei am Montag mit.

Die Polizei versucht nun Kürzel wie „AC“, „Schnuffi“ oder „B das Brot“ zu entschlüsseln.

Am 12. und 13. August gingen den Beamten einige kleinere Fische ins SchmetterlingsNetz:

Ein Ladendieb wurde am Samstag vom Detektiv eines großen Supermarktes in Leipzig gestellt. Der Mann hatte vier Flaschen Alkoholika im Wert von 174 Euro gestohlen und wollte sich nicht ausweisen.

Der unter dem Decknamen „Rainer“ bekannte Abhängige ist schon mehrfach auffällig geworden und wurde seinem Vormund Philipp R. übergeben.

Auch hier wurde ein Dieb vom Ladendetektiv festgehalten, in diesem Fall in der Filiale eines Baumarktes. Der Mann hatte zwei Waschtischarmaturen entwendet und wurde dabei gefasst.

Freundlicherweise halfen ihm die Beamten die Armarturen bis in seine Wohnung zu tragen.

Am 17. des Monats nahm die Polizei ein „schwerkriminelles Pärchen“ fest:

Die Frau und der Mann wurden an verschiedensten Tankstellen aufgenommen, als sie sich dort kostenlos bedienten. Sie tankten Benzin Super, Diesel und Lkw-Diesel – er knapp insgesamt 7.000 Liter für fast 9.000 Euro; sie insgesamt über 1.200 Liter für etwa 1.800 Euro.

Wie sie unbemerkt mehrere Monate mit den gestohlenen Tanklastern durch die Gegend fahren konnten muss noch geklärt werden.

Am 18. dann der Schock:
Drogenkonsument bedroht Verkäufer im Leipziger Zentrum mit Messer.

Der bewaffnete Räuber nahm sich nun eine Flasche exklusiven Parfums und flüchtete mit seinem Komplizen aus dem Laden.“ „Im Zuge der Sofortmaßnahmen konnte der Täter mit dem Messer in der Nürnberger Straße festgenommen werden. Sein Kumpan konnte flüchten. Bei dem Räuber handelt es sich um einen 31-jährigen Tunesier.

Die Flasche Parfüm blieb auf mysteriöse Weise verschwunden, seither wird den Beamten auf der Straße jedoch weitaus freundlicher begegnet.

Am 24. August konnte dann endlich der Nachweis erbracht werden, dass Kleingärtner allesamt drogenabhängig und kriminell sind.

In einem Kleingartenverein in der Schönauer Straße machte ein Zeuge eine folgenreiche Entdeckung: Aus einem Gewächshaus eines 34-jährigen Mannes wucherten Cannabis-Pflanzen, der Zeuge verständigte die Polizei. Die Beamten fanden in dem Gewächshaus eine acht Quadratmeter große Plantage mit insgesamt 30 Cannabis-Pflanzen vor. In der Gartenlaube wurden sie ebenfalls fündig; hier lagerte der Mann eine Vielzahl von Geräten, die dem Betrieb von Indoor-Plantagen dienten“
„Insgesamt 30 solcher Gewächse, deren Blüten zur Herstellung illegaler Rauschmittel verwendet werden, konnten nach Angaben von Polizeisprecher Paul Naruhn sicher gestellt werden. In der Gartenlaube wurden zudem diverse Materialen zur Aufzucht gefunden, wie Belüftungsschläuche und Neonröhren.

Glück für den unerkannt gebliebenen „Zeugen“, der so einen lästigen Konkurrenten ausstechen konnte. Baumärkte wie Obi oder Hagebau werden sich nun demnächst dafür verantworten müssen, Gerätschaften für den Gartenbau anzubieten.

Am 26. August ereignete sich dann nicht nur ein „scharfer“ Diebstahl, auch lief man bei der Polizeipressestelle zur literarischen Hochform auf und erzählte die mittlerweile vielgelobte Geschichte von den „Zwei Brüdern“ – wir berichteten bereits ausführlich.

Und dann war wieder Ruhe in der Stadt, zumindest am Ende des Monats, bestimmt war einfach zu gutes Wetter, um Jagd auf so ein paar Junkies zu machen, kann man ja irgendwie verstehen.

Insgesamt meldeten die Leipziger Polizeimedien 56 im Zusammenhang mit Drogendelikten Festgenommene oder zumindest Angezeigte – bei einer Einwohnerzahl von über 500.000 eine kaum auszuhaltende Menge.

Sichergestellt wurden (soweit ersichtlich):

Diverse Arten von Betäubungsmittel (unbestimmte Mengen an Cannabis, Marihuana, und Flunitrazepamtabletten, davon genauer:
73 Gramm Marihuana
eine geringe Menge Crystal
circa 6 Gramm Kokain
400 Gramm Haschischplatten
weitere betäubungsmittelverdächtige Substanzen und Mittel zur Herstellung von Drogen
Betäubungsmittel-Utensilien
Handelsutensilien sowie „Kundenlisten“
49 Cannabis-Pflanzen
1 ca. fünf cm große schwarze Dose
Belüftungsschläuche und Neonröhren
Eis (2x): Schoko mit Vanille sowie Stracciatella mit Nussmischung.

Gestohlen wurde (soweit ersichtlich):

eine geringe Menge Bargeld sowie diverse Lebensmittel (01.08.)
Auto und Kennzeichen (02.08.)
Schuhe? (04.08.)
1 Opel Corsa + Kennzeichen (08.08.)
zwölf Druckerpatronen im Wert von ca. 450 Euro (11.08.)
zwei Waschtischarmaturen (12. 08.)
vier Flaschen Alkoholika im Wert von 174 Euro (13.08.)
eine Flasche exklusiven Parfums (18.08.)
eine Geldbörse (19.08.)
zwei Flaschen Wodka (23.08.)
ca. 80 kg Kupfer (25.08.)
mehrere Messer im Wert von 430 Euro (26.08)
(nicht mitgerechtnet die diversen Delikte des Pärchens mit „reichlich krimineller Energie“, da diese wohl nicht in den August fielen)

Wir von prochaine arrêt werden weiter am Ticker bleiben und auch in Zukunft den heldenhaften Kampf der Leipziger Polizei gegen sich selbst die böse böse Welt dokumentieren.

Man sieht sich Ende September wieder!

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1 Antwort auf „Rückblick: Drogenticker August 2010“


  1. 1 Hansi 07. September 2011 um 20:01 Uhr

    Sie lassen den Respekt vor dem Amt vermissen. Gut so!

    Zum Thema „Drogenproblematik anderswo“ hier eine kleine Übersicht:
    http://nymag.com/news/9-11/10th-anniversary/patriot-act/

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