Archiv für April 2012

Was einem so einfällt beim…

Aus der beliebten Reihe inscriptiones cloacae, heute ein ganz besonders schönes Kleinod:

(Zum Vergrößern anklicken)

Albertina, vulgo UB

Hoffentlich hat sich unser Poet hinterher die Hände gewaschen…

Abschied

Plötzlich und unerwartet erreichte uns die Nachricht vom Tode eines guten Freundes und Wegbegleiters: Der „Waldfrieden“ in Connewitz gehörte wirklich zu den Guten. Er gebot der umsichgreifenden Loungisierung in Leipzig tapfer Einhalt. In seiner Garderobe hingen keine Northface-Jacken. Sein Ableben trifft uns daher tief ins Mark.
prochaine arrêt nimmt Abschied von den Terrakotta-Kriegern, von der Waldfrieden-Katze, vom Hamburger Schnitzel, von der Personenwaage, vom Wandteppich mit den Bären, den Wäschebergen, dem Freisitz, dem Springbrunnen, vom unverwechselbaren Waldfrieden-Geruch, vom Kletterschiff, den Kellnern und Köchen, dem Hirsch, dem Zweisitzer und der Theke, der Bibliothek, den Wachsflecken und Aschenbechern, auch vom Klavier. Und natürlich von den anderen Gästen des Waldfriedens.
Machs gut alter Freund, Du wirst uns fehlen! Verflucht seien Deine Mörder!

Textaufgabe

So jetz ma alle Hefte weg; Leistungskontrolle!

Analysis:

Abb. 1


„Ich bin strikt gegen ein Verbot“, sagt Sybille Keil-Locker (r. mit Manja Utesch), Betriebsleiterin vom Bellinis. „Wir schaffen mehr als 90 Arbeitsplätze. Ohne die Heizpilze hätten wir 70 Prozent Umsatzeinbußen und müssten die Hälfte entlassen.“
(Foto: Regina Katzer)

1. a) Ermitteln Sie aus den angegebenen Variablen den Anteil der Lohnkosten am Gesamtbudget! Sollte Ihnen hier etwas unlogisch erscheinen, dann werfen Sie ruhig noch ein paar Zahlen in den Raum! Hinweis: „Mehr als 90 Arbeitsplätze“ entspricht 91 Arbeitsplätzen (Mai bis September).

1. b) Ermitteln Sie die anfallenden monatlichen Kosten für einen Heizpilz und einen Minijobber bei einer angenommenen durchschnittlichen Betriebszeit von jeweils 12 Stunden am Tag! Vergleichen Sie das Kosten-Wärmeausstrahlung-Verhältnis von Heizpilzen und Minojobbern und zeichnen sie ein Effizienz-Diagramm!

2.) Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse mit folgender Aussage!

„Wir haben unsere vier Heizpilze fast den ganzen Sommer über auf kleiner Stufe angehabt, weil die Sonne nicht da war“, verrät Jürgen Stötzer Betriebsleiter vom La Provance. „Ohne die Strahler würden uns 25 bis 30 Prozent vom Umsatz wegbrechen.“

ZUSATZAUFGABE: Entwickeln Sie mit Hilfe von Abb. 1 eine Formel zur näherungsweisen Ermittlung der fazialen Oberflächenspannung in Abhängigkeit von Alter und mittlerer Entfernung zur offenen Flamme!

Sie haben 45 Minuten Zeit.

(LVZ)

Dschungelcamp II

Liebe Gemeinde,

die heutige Kollekte geht zugunsten von Frau „V.I.P.-Boulevard“ Kerstin Decker von der LVZ, die vier Wochen lang zum Austausch nach Indien fährt, damit man ihr dort endlich mal anständigen Journalismus beibringt.
Dort gilt es lustige und/oder spannende Abenteuer zu bestehen, wie z.B.:

Typhus, Tollwut, Durchfall, Insektenstiche, Sonne, hygienische Gepflogenheiten, Geld, Bollywood usw.

Kollege Florian Meesmann vom MDR gibt zudem den geistreichen Rat:

„Indien ist ein faszinierendes Land voll reicher Sinneseindrücke, aber es lohnt sich, sehr genau hinzuschauen.“

Wir empfehlen außerdem noch hören, riechen, schmecken und fühlen, sonst gehen einem doch glatt diverse „reiche Sinneseindrücke“ verloren!

Viel mehr als über Geld, würde sich Schwester Decker aber wohl über eine Tüte Mitleid freuen – denn niemand denkt an sie, sondern nur an ihren faulen, dummen und unendlich unfähigen Sack von Ehemann.

Ist das gerecht? Je näher der morgige Tag rückt, an dem ich für vier Wochen nach Indien fliege – dienstlich übrigens, zum Journalisten-Austausch – , desto mehr interessierte Anteilnahme bekommt: mein Ehemann. Wie er wohl klarkommen wird als Strohwitwer, ob er es packen wird mit dem Haushalt, dem Einkaufen und den Kindern, wird er gefragt und werde ich gefragt.

Nein! Es ist nicht gerecht, liebe Gemeinde, dass eine so tüchtige, tapfere und rundum perfekte Frau wie Frau Decker nicht mit dem nötigen Respekt behandelt wird. Denn lesen wir nicht in der von der Heiligen Kerstin selbst verfassten Hagiographie:

Dagegen steht meiner Familie doch die deutlich geringere Aufregung bevor! Denn natürlich hinterlasse ich als pflichtbewusste Hausfrau und Mutter alles so, dass meine Lieben möglichst wenig Arbeit haben. Sämtliche Osterdeko habe ich heute früh schnell noch weggeräumt, sonst steht sie womöglich Mitte Mai noch, wenn ich wieder nach Hause komme. Habe noch mal ausgiebig eingekauft und alle Lebensmittel-Vorräte aufgefüllt, sämtlichen Müll zum Wertstoffhof gebracht, den Garten von Unkraut befreit, die Blumen gegossen, den Gieß-Auftrag für die nächsten vier Wochen an die große Tochter erteilt. Um die Wäsche kümmert sich ohnehin mein Mann, das Staubsaugen wird er erfahrungsgemäß den Töchtern übertragen, diese sind ohnehin schon von mir beauftragt, den Papa zu unterstützen.

Ja, liebe Brüder und Schwestern in Kerstin, bei einer solchen alltäglichen Arbeitslast fragt man sich doch, wie sie es denn überhaupt schafft, auch noch für die LVZ geistigen Dünnpfiff abzugeben zu schreiben und jede drittklassige Promi-Party zu besuchen?! Wo bleibt da die Anerkennung für ein solch heiligmäßigen Lebenswandel?!

Nein! Stattdessen wird sie unsäglichen Gefahren ausgesetzt sein, wird unendliches Leid und Qualen ertragen müssen, wird vom HErrn geprüft werden, wie es einst mit Hiob geschah:

Ich finde aber durchaus, dass ich das größere Abenteuer vor mir habe. Meine Familie bleibt in der gewohnten Umgebung zu Hause, auf mich dagegen wartet mindestens ein Hitzeschock (35 bis 38 Grad in Mumbai beziehungsweise Bangalore, das Doppelte bis Dreifache von den aktuellen Leipzig-Werten). Dann wohl auch ein Kulturschock: Menschenmassen, Verkehrsgedränge, Lärm, Smog, die allen Berichten nach weit verbreitete Armut, die fremden hygienischen Gepflogenheiten, der offenbar unvermeidliche Durchfall.

Wie eine Aussätzige wird man sie behandeln:

Ich rechne damit, einerseits überall vorgestellt und herumgezeigt, andererseits als Touristin auch kräftig übers Ohr gehauen zu werden.

Und zuletzt wird auch sie sich ihren eigenen – wenigen – Schwächen stellen müssen:

Nicht zu vergessen, dass ich kaum jemanden treffen werde, der Deutsch spricht und daher alles auf Englisch laufen muss [auch der Durchfall]. Und dass mir als Technik-Dilettant kein Mensch helfen wird beim Umgang mit Laptop, Video- und Fotokamera.

Liebe Gemeinde, lasst uns daher beten! Lasst uns beten für Frau Decker und ihren Durchfall, für ihren anscheinend inkompetenten Ehemann, für ihre Katze, für ihre Tochter, die endlich den Fängen dieses Kotrollfreaks entrinnt und ganz besonders lasst uns beten für all die armen Inder, die nun wirklich nichts dafür können!