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Polizeiprosa für Zwischendurch (Teil 1)

Die Leipziger Polizei überrascht einmal mehr mit der literarischen Qualität ihrer Mitteilungen. Der Schönheit der Künste verpflichtet, lässt es sich prochaine-arrêt nicht nehmen, diese prosaischen Ergüsse kritisch-wohlwollend zu begleiten und auch in Zukunft ausgewählte Kleinode dem geneigten Leser darzubringen.

Heute also:
Gemeinsame Interessen

Dieses Brüderpaar verband offensichtlich ein gemeinsames Hobby, denn sie gestalteten ihre „Freizeit“ mit dem Züchten von Pflanzen und Sammeln von Kupfer. Jetzt fiel diese Art von Zeitvertreib Polizeibeamten auf und setzte dem Treiben zumindest vorläufig ein Ende.

Der extrem abrupte, avantgardistisch anmutende Einstieg ohne jegliche Exposition („Dieses Brüderpaar“) ist ganz klar eine Stärke der modernen Polizeiprosa. Freunde der Kleingärtnerei und Hobby-Numismatiker sollten übrigens vorsorglich bei ihrer örtlichen BlockwartPolizeistelle nachfragen, ob sie dazu berechtigt sind organisches Leben bzw. chemische Elemente in ihren Wohnungen zu besitzen.

Einer Zeugin fiel nämlich ein Blumentopf auf, der offensichtlich vom Fenster auf den Hof gefallen war. Nach näheren Betrachten stellte sie fest, dass es sich um eine Cannabispflanze handelte. Ein Blick nach oben verriet, dass es noch mehr Exemplare auf dem Fensterbrett gab.

Daraufhin wurde auch sie festgenommen, denn wer eine solche Pflanze erkennt, der hat sie auch schon geraucht, q.e.d. Die „Zeugin“ wurde dem nächstbesten Inquisitor übergeben. Mildernde Umstände könnte ihr jedoch die kognitive Spitzenleistung einbringen, dass alles, was unten aufgeschlagen ist, von oben gefallen sein muss. So bekifft kann die „Zeugin“ dann doch nicht gewesen sein…noch mal Glück gehabt! (und es heißt übrigens „Nach näherem Betrachten“)

Die hinzugezogenen Polizeibeamten durchsuchten daraufhin die Wohnung der Brüder und fanden neben den Pflanzen (sechs Cannabispflanzen) auch Betäubungsmittel-Utensilien und ein Fahrrad, welches zur Fahndung stand.

Nach einigem Widerstand konnte das Fahrrad überwältigt werden und befindet sich nun in U-Haft. Bemerkenswert ist im Übrigen der exzessive Gebrauch von Pleonasmen, der die Sprache der Polizeiprosa um so viel mehr bereichert.

Nach deren Sicherstellung verließen die Beamten das Grundstück, als ihnen plötzlich das diebische Brüderpaar (29; 33) mit einem vollgeladenen Handkarren entgegen kam. Darauf die Beute der letzten Tour: ca. 80 kg Kupfer.

Die überstürzte Flucht der Beamten beim Eintreffen der „diebischen Brüder“ hatte nichts damit zu tun, dass man in deren Abwesenheit den Kantriegel gezogen, ihre Wohnungstür aufgedrückt, sich unbefugt Zutritt verschafft und Zeug geklaut „sichergestellt“ hatte. Wirklich!

Gegen die beiden, der Polizei als Betäubungsmittelkonsumenten bekannten, Brüder wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Ermittelt wird nun nicht nur gegen unsinnige Kommata, sondern auch, ob die „diebischen Elstern Brüder“ einigen schon etwas beleibteren Kollegen beim nächsten Umzug unter die Arme greifen könnten, denn wer 80 Kilo Kupfer karren kann, der kann auch dem Bernd beim demnächst geplanten Umzug in die Leipziger Innenstadt helfen.