Archiv der Kategorie 'Szenen einer Stadt'

UFOs über Connywood

Angst vor der Gentrifizierung? Und zwar ZURECHT! Schon sind die ersten Vorboten der Yuppie-Apokalypse über dem Leipziger Süden aufgetaucht! Ganz offenkundig sind hier böse Mächte am Werk, die sich gegen alles Gute im Menschen verschworen haben!

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Es wird dazu geraten zu Hause zu bleiben und Fenster und Türen zu verammeln. Kinder sollten abends nicht mehr draußen spielen. Legen Sie bereits jetzt schon für alle Fälle Lebensmittelvorräte an – hey, gibt’s ja jetzt auch im Sonderangebot bei Netto aarrghhhhhkrrcchhhhhtt!!!

Wer allerdings schon immer mal wie der letzte Volldepp aussehen und auch so herumlaufen wollte, der sollte zugreifen, solange der Vorrat reicht! Damit fällt man garantiert auch als Ex-Punk oder sonstwie Alternativer nicht mehr als Störfaktor in der 0815-Masse auf. Wer auf Nummer sicher gehen will, kauft am besten gleich die passende Schlüpper mit dazu!

Finanzkrise erreicht Leipzig (endlich!)

Schon lange war der desolate Zustand Leipzigs bekannt, jetzt ist es offiziell: Wir sind so pleite, wir können noch nicht mal billige Babyschuhe aus Taiwan importieren!

Doch die Stadtväter Leipzigs wissen, was in einer solchen Situation zu tun ist: Nachdem schon der letzte Aufruf zum freiwilligen Arbeitseinsatz ein riesiger Erfolg war, müssen nun auch die Altgedienten nochmal ran und ihren Beitrag zum Sozialismus Gemeinwohl leisten!

Leipziger Omis sollen Baby-Schuhe stricken
Leipzig. Selbst gestrickte Schuhe für Babys kommen offenbar nie aus der Mode. Das Familieninfobüro der Stadt Leipzig hat jetzt Seniorinnen aufgerufen, zu Wolle und Stricknadel zu greifen und Schühchen zu stricken. Die Handarbeiten sollen zu den Babyboxen gepackt werden, mit denen neugeborene Leipziger beschenkt werden.

Eine Rentnerin habe am Mittwoch bereits 50 Paar selbst gestrickte Baby-Schuhe abgegeben, teilte das Familieninfobüro mit.

Ja liebe LVZ dpa, so wie ich das sehe, werden selbst Norwegerpullis und Flip-Flops leider nie aus der Mode kommen, da kann man einfach nix machen, ungerechte Welt das.

Ungeklärt bleibt allerdings, was unsere Rentner jetzt so für die Stadt tun könnten, da offenbar nur Rentnerinnen nützliche Beiträge liefern können (und berufstätige Frauen offenbar selbst zum Stricken zu blöd sind, die könn‘n ooch nüscht mer heudzutage!). Vielleicht kann man noch mit anpacken beim Bau des City-Tunnels? Oder Brennpunkte des Drogenhandels längerfristig stationär überwachen (Fensterbrett), um so Kosten für Überwachungskameras einzusparen?
Aber zum Glück ist ja bald EM, da hält Opa wenigstens das Maul, wenn Oma für ihren dritten Verdienstorden strickt.

Morgen will übrigens die Stadtverwaltung alle jüngeren Leipziger dazu aufrufen, doch bitte für neue Abnehmer all der selbstgestrickten Babyschuhe zu sorgen. Na, denn ma ran, das Mutterkreuz wartet schon!

Was einem so einfällt beim…

Aus der beliebten Reihe inscriptiones cloacae, heute ein ganz besonders schönes Kleinod:

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Albertina, vulgo UB

Hoffentlich hat sich unser Poet hinterher die Hände gewaschen…

Abschied

Plötzlich und unerwartet erreichte uns die Nachricht vom Tode eines guten Freundes und Wegbegleiters: Der „Waldfrieden“ in Connewitz gehörte wirklich zu den Guten. Er gebot der umsichgreifenden Loungisierung in Leipzig tapfer Einhalt. In seiner Garderobe hingen keine Northface-Jacken. Sein Ableben trifft uns daher tief ins Mark.
prochaine arrêt nimmt Abschied von den Terrakotta-Kriegern, von der Waldfrieden-Katze, vom Hamburger Schnitzel, von der Personenwaage, vom Wandteppich mit den Bären, den Wäschebergen, dem Freisitz, dem Springbrunnen, vom unverwechselbaren Waldfrieden-Geruch, vom Kletterschiff, den Kellnern und Köchen, dem Hirsch, dem Zweisitzer und der Theke, der Bibliothek, den Wachsflecken und Aschenbechern, auch vom Klavier. Und natürlich von den anderen Gästen des Waldfriedens.
Machs gut alter Freund, Du wirst uns fehlen! Verflucht seien Deine Mörder!